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5 Fragen zur Besteuerung von Non-Fungible Tokens (NFTs)


Rechtsanwalt Philipp Hornung hat sich auf die Bereiche kryptografische Währungen und Blockchaintechnologie spezialisiert. Er betreut gewerbliche und private Mandanten im Steuerrecht der Kryptowährungen. Neben seiner beratenden Tätigkeit vertritt er die steuerlichen Interessen von Mandanten in Einspruchsverfahren und vor Finanzgerichten. Die Kanzlei WINHELLER berät seit 2013 sowohl private Kryptoinvestoren als auch Unternehmen und hat sich damit als Pionier in der deutschen Kryptosteuerszene positioniert.

Non-Fungible Tokens (NFTs) sind spätestens seit einer vom Auktionshaus Christie’s durchgeführten Versteigerung in New York im März 2021 in der Kryptoszene angekommen. Bei der Versteigerung eines digitalen Kunstwerks namens „Everydays: the First 5000 Days“, erschaffen vom Künstler Beeple, waren über 60 Millionen US-Dollar erlöst worden.

Technisch betrachtet handelt es sich bei NFTs um Kryptowährungen. Jedoch kann man bei Kryptowährungen zwischen sog. Fungible Tokens und Non-Fungible Tokens (NFTs) unterscheiden. Fungible Tokens (austauschbare Tokens) haben für sich betrachtet jeweils immer denselben Vermögenswert, weshalb es für den Inhaber keine Rolle spielt, welcher Token ihm zugeteilt wird. Prominentes Beispiel eines Fungible Tokens ist der Bitcoin (BTC). Genauso wie bei Geldscheinen in der analogen Welt macht es für den Inhaber keinen Unterschied, welchen konkreten BTC er besitzt, weil jeder andere BTC denselben Wert widerspiegelt.

NFTs hingegen sind digitale Güter, die nicht beliebig untereinander austauschbar (non-fungible) sind, da diese jeweils einen spezifischen Vermögenswert verkörpern. So verkörpern Artwork-NFTs (Kunstwerk-NFTs) z.B. jeweils ein lediglich einmalig existierendes künstlerisches Bild. Sichergestellt wird die Einzigartigkeit von NFTs durch ein digitales Echtheitszertifikat, das auf der Blockchain gespeichert ist. Dadurch ist es nicht ohne Weiteres möglich, das digitale Gut unendlich oft zu replizieren.

Bleibt die Frage nach der korrekten Besteuerung von Gewinnen aus dem Handel mit NFTs. Zum aktuellen Zeitpunkt fehlen noch verbindliche steuerrechtliche Vorgaben seitens des Gesetzgebers und der Finanzverwaltung. Mit den folgenden fünf Antworten möchten wir dennoch sowohl Kryptoinvestoren als auch NFT-Herstellern eine erste Orientierung zur NFT-Besteuerung geben:

1. Was müssen Hersteller von NFTs bei der Besteuerung beachten?

Der größte Anwendungsfall von NFTs zur jetzigen Zeit sind digitale Kunstwerke. Es liegt daher nahe, beim Verkauf solcher Werke von Einkünften aus einer künstlerischen Tätigkeit auszugehen. Nötig hierfür ist, dass der Steuerpflichtige eine eigenschöpferische Tätigkeit mit einer gewissen Gestaltungshöhe erbringt. Andererseits ist jedoch auch eine gewerbliche Einordnung als Einkunftsart denkbar. So geht das Finanzamt beim Eigenvertrieb von Kunst im Onlinehandel in der Regel von einer gewerblichen Tätigkeit aus. Eine gewerbliche Einordnung ist für den Steuerpflichtigen jedoch ungünstig, da zusätzlich zur Einkommensteuer Gewerbesteuer anfällt.

Ob gewerbliche Einkünfte oder Einkünfte aufgrund einer künstlerischen Tätigkeit vorliegen, ist eine Frage des konkreten Einzelfalls. Aufgrund der Neuartigkeit von NFTs haben sich die Gerichte bislang noch nicht mit der Abgrenzung befasst. Ebenfalls liegt zu dieser Thematik noch kein klarstellendes Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vor. Um die damit einhergehende Rechtsunsicherheit zu beseitigen, empfiehlt es sich, dass Hersteller von NFTs ihren konkreten Sachverhalt durch erfahrene Rechtsanwälte und Steuerberater im Bereich Kryptosteuerrecht prüfen lassen.

2. Mittlerweile existieren neben digitalen Kunstwerken auch hergestellte NFT-Charaktere im Rahmen von NFT-Computerspielen. Wie werden diese steuerlich eingeordnet?

Einkünfte aus dem Verkauf solcher NFT-Charaktere können solche aus künstlerischer Tätigkeit sein, wenn eine eigenschöpferische Tätigkeit vorliegt und die Figur eine gewisse Gestaltungshöhe verkörpert. Da aber auch hier die Grenzen zur gewerblichen Einordnung fließend sind und je nach Einzelfall Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen können, ist es ratsam, den konkreten Sachverhalt fachlich überprüfen zu lassen.

3. Wie wird der Handel von NFTs besteuert?

Für private Kryptoinvestoren, die zwar keine NFTs selbst herstellen, dafür aber NFTs kaufen und verkaufen und dabei Gewinne erzielen, stellt sich ebenfalls die Frage der Besteuerung. Gewinne aus Verkäufen von NFTs könnten als privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG einzuordnen sein. Erzielte Gewinne unterliegen dann dem persönlichen Einkommensteuersatz, wenn der Verkauf innerhalb eines Jahres nach dem Kauf erfolgt. Gewinne nach Ablauf der einjährigen Haltefrist sind hingegen steuerfrei.

Ab einem gewissen Grad können private Kryptoinvestoren beim wiederholten An- und Verkauf von NFTs allerdings auch gewerblich tätig sein und vom Finanzamt als gewerbliche Händler eingestuft werden. In einem solchen Fall wären Gewinne auch außerhalb der Jahresfrist steuerpflichtig, und es würde zusätzlich Gewerbesteuer anfallen. Zwar geht das BMF in seinem jüngst veröffentlichten Entwurf-Schreiben davon aus, dass eine Einstufung als gewerblicher Handel nur unter besonders strengen Voraussetzungen angenommen werden kann. Allerdings ist es fraglich, ob diese Grundsätze ohne Weiteres auch auf NFTs übertragen werden können, da das BMF sich bei seinen Erwägungen auf Fungible Tokens, also austauschbare Kryptowährungen wie z.B. BTC, bezieht. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein gewerblicher Handel bei NFTs angenommen werden kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar.

Kryptoinvestoren sollten deshalb vorerst alle ihre Gewinne aus dem Handel mit NFTs gegenüber dem Finanzamt offenlegen und im Rahmen ihrer Steuererklärung auflisten. Nur so lässt sich die Gefahr eines Vorwurfs der Steuerhinterziehung vermeiden.

4. Muss ich im Zusammenhang mit NFTs Umsatzsteuer zahlen?

Grundsätzlich fällt beim Handel mit Fungible Tokens wie BTC, ETH und Co. keine Umsatzsteuer an. Hintergrund ist, dass solche Kryptowährungen für umsatzsteuerliche Zwecke den gesetzlichen Zahlungsmitteln (z.B. Euro, US-Dollar) gleichgestellt sind, auch wenn sich zumindest bislang die Zahlungsmittelfunktion angesichts der starken Kursschwankungen der Kryptowährungen in der Praxis nicht durchgesetzt hat.

NFTs dürften aufgrund ihrer Einzigartigkeit erst recht nicht als Zahlungsmittel Verwendung finden. Es spricht daher einiges dafür, den Handel mit NFTs der Umsatzbesteuerung zu unterwerfen.

Voraussetzung für die Umsatzsteuerpflicht ist freilich, dass der Leistende Unternehmer ist. Eine solche Einordnung als Unternehmer hängt stets von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Eine hohe Anzahl gehandelter NFTs kann jedenfalls ein Indiz für die Unternehmereigenschaft sein. In jedem Fall ist es empfehlenswert, dass Kryptoinvestoren ihre Käufe und Verkäufe sorgfältig dokumentieren. Nur dann lässt sich gegenüber dem Finanzamt vernünftig argumentieren.

5. Was muss ich zum Thema Geldwäschegesetz wissen?

Kryptoinvestoren, die gewerblich NFT-Verkäufe durchführen, sollten ferner das Geldwäschegesetz (GwG) und die in ihm enthaltenen Sorgfalts-, Risikomanagement- und sonstigen Pflichten im Blick haben. Denn solche Kryptohändler könnten als „Güterhändler“ in den Anwendungsbereich des GwG fallen, und bereits bei leichtfertigen Verstößen gegen Vorschriften aus dem Geldwäschegesetz ist mit hohen Bußgeldern zu rechnen.

WINHELLER berät Kryptoinvestoren zur NFT-Besteuerung

Haben Sie weitere Fragen zur Besteuerung von NFTs? Benötigen Sie Hilfe bei Ihrer Kryptosteuererklärung? Sind Sie unsicher, ob für Ihre Tätigkeit geldwäscherechtliche Verpflichtungen bestehen? Gerne stehen Ihnen die erfahrenen Rechtsanwälte und Steuerberater von WINHELLER mit ihrer Expertise zum Thema Non-Fungible Tokens (NFTs) zur Verfügung.

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