Besteuerung von DeFi am Beispiel von Lending

Mit Decentralized Finance (DeFi) sind dezentrale Finanzmärkte gemeint, mit denen klassische Finanzdienstleistungen revolutioniert werden sollen. Die damit einhergehenden technologischen Entwicklungen bieten für Kryptoinvestoren neue Modelle, um Geld zu verdienen.

Dabei gibt es unterschiedliche Anwendungen innerhalb des dezentralen Finanzsektors. Die prominenteste und häufigste Methode, Gewinne zu erzielen, ist das sogenannte DeFi-Lending.

Was bedeutet DeFi-Lending?

Lending beschreibt den Vorgang, dass Kryptowährungen an andere Plattformnutzer verliehen werden und dadurch Gewinne in Form von Zinsen erzielt werden. Dies ist vergleichbar mit einem traditionellen Kreditgeschäft bei der Bank. Auch dort stellt man sein Geld der Bank zur Verfügung und erhält dadurch Zinsen.

Das Lending ist bei den meisten DeFi-Plattformen, insbesondere bei den größten Vertretern wie z.B. MakerDAO oder Compound, möglich.

Vorteile durch dezentralisierte Kreditvergabe

Ein großer und wichtiger Unterschied hierbei ist, dass die Kreditvergabe dezentralisiert und automatisiert abläuft – also keine Person benötigt wird, die eine Kreditvergabe koordiniert. Dies hat den Vorteil, dass aufgrund des geringen Aufwands deutlich höhere Zinsen vergeben werden können als bei einer klassischen Bank. Die erhaltenen Zinsen werden in der Regel in Kryptowährungen ausgezahlt.

Im Unterschied zum Verleihen von Kryptowährungen auf nicht dezentralisierten Kryptohandelsplattformen (eToro, Libertex, Kraken etc.) wird der Zinssatz automatisch festgesetzt und auch die Vergabe der Kryptowährungen erfolgt anonym und automatisiert.

Wie müssen Zinserträge beim DeFi-Lending versteuert werden?

Die steuerliche Einordnung der aus dem Lending resultierenden Zinserträge ist nicht abschließend geklärt. Im Ergebnis spricht aber viel dafür, diese als sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG) einzuordnen. Für den Kryptoinvestor bedeutet das, dass die Zinserträge in Höhe seines individuellen Einkommensteuersatzes besteuert werden. Für die Berechnung der Zinserträge ist der Marktwert der Kryptowährungen im Zeitpunkt des Zuflusses zu berücksichtigen.

Unterschreiten die Einkünfte die Freigrenze von 256 Euro pro Kalenderjahr, sind diese nicht zu versteuern. Wird die Freigrenze überschritten, muss der komplette Betrag versteuert werden.

Steuern auf den Verkauf von durch Lending erwirtschafteten Kryptowährungen?

Fraglich ist, ob es steuerliche Auswirkungen hat, wenn man die durch das Lending erwirtschafteten Kryptowährungen anschließend gewinnbringend verkauft. Grundsätzlich werden die Kryptowährungen als private Wirtschaftsgüter (§ 23 EStG) qualifiziert, weshalb ein privates Veräußerungsgeschäft vorliegen könnte. Dadurch könnte eine Steuerpflicht ausgelöst werden.

Zu beachten ist aber, dass dafür ein entgeltlicher Anschaffungsvorgang nötig ist. Ein solcher ist im Rahmen einer reinen Zinsgutschrift nicht zu erblicken. Das bedeutet, dass eine Weiterveräußerung keine zusätzliche Steuerlast mit sich bringt. Allerdings können konsequenterweise auch keine Kursverluste steuerlich geltend gemacht werden.

Dokumentation aller Kryptoaktivitäten mit ACCOINTING

In jedem Fall ist es nötig, alle Kryptoaktivitäten sauber zu dokumentieren. Nur eine solche Dokumentation ermöglicht später eine lückenlose und einwandfreie Anzeige beim Finanzamt. Unser Kryptotool ACCOINTING hilft Ihnen dabei, den Überblick zu behalten und eine fehlerfreie Steuererklärung zu erstellen.

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