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10 Fragen zur Besteuerung von Future Trading und Margin Trading

Der klassische An- und Verkauf von Kryptowährungen ist bei weitem nicht mehr die einzige Möglichkeit, wie Investoren im Kryptobereich Geld verdienen können. Auf verschiedenen Kryptobörsen wie z.B. Kraken, Binance oder Poloniex können Kryptoinvestoren zwischen unterschiedlichen Handelsstrategien wählen. Besonders populäre Investitionsmöglichkeiten stellen hierbei das Future Trading und das Margin Trading dar.

Sobald im Kryptohandel Gewinne oder Verluste eingefahren werden, stellt sich für Kryptoinvestoren die Frage nach der korrekten Versteuerung. Da kann die jährliche Kryptosteuererklärung schnell zur unlösbaren Herausforderung werden. In diesem Blogbeitrag beantworten wir daher zehn häufige Fragen im Zusammenhang mit der Besteuerung von Margin Trading und Future Trading:

1. Was ist der Unterschied zwischen Future Trading und Margin Trading?

Future und Margin Trading werden häufig im gleichen Atemzug genannt, sind aber völlig unterschiedliche Handelsstrategien:

Bei Futures handelt es sich um einen Vertrag (Kontrakt), bei dem mindestens ein Verkäufer mindestens einem Käufer ein Recht einräumt, ein bestimmtes Wirtschaftsgut (z.B. Bitcoin) zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beziehen. Dieses Bezugsrecht ist bei einem sog. Futurekontrakt immer unbedingt, das heißt, der Käufer ist in jedem Fall zur Abnahme verpflichtet.

Margin Trading hingegen ermöglicht Investoren, besonders große Positionen zu eröffnen. Dies wird dadurch erreicht, dass sich der Investor Geld bzw. Kryptowährungen von einer anderen Person (etwa einem Broker oder anderen Plattformnutzern) leiht. Im Gegenzug hinterlegt der Investor eine Sicherheit. Trader können ihre eröffnete Position dadurch mit einem sog. Hebel versehen, welcher als Gewinn-, aber auch als Verlustmultiplikator fungiert.

2. Was versteht man unter einem Margin Call?

Zieht ein Margin Trade Verluste mit sich und reichen die geleisteten Sicherheiten nicht mehr aus, um die Position offen zu halten, kommt es zu einem sog. Margin Call. Der Investor wird also aufgefordert, Liquidität bereitzustellen, damit der Trade aufrechterhalten werden kann. Geschieht dies nicht, wird der Trade geschlossen.

3. Wie erfolgt die Besteuerung bei Future und Margin Trading?

Gewinne aus dem Handel mit Futures stellen regelmäßig Einkünfte aus Kapitalvermögen dar und unterliegen als solche der Kapitalertragsteuer. Für die steuerliche Beurteilung kommt es dabei jedoch nicht auf die von der Börse genannte Begrifflichkeit an. Vielmehr muss ein besonderes Augenmerk auf die konkrete Ausgestaltung des Finanzprodukts gelegt werden. Im Einzelfall kann deshalb unter Umständen auch ein privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 EStG vorliegen, das zu einer Versteuerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz führt. Im Wesentlichen kommt es darauf an, ob das Geschäft wie beim Spot Trading, d.h. dem An- und Verkauf von Kryptowährungen, auf die Lieferung einer solchen abzielt (dann liegt ein Fall von § 23 EStG vor) oder ob die Lieferung lediglich einen Differenzausgleich darstellt (dann handelt es sich um Kapitaleinkünfte gem. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG). Ein bereits veröffentlichter Blogartikel zur Besteuerung von Kryptoderivaten und Kryptofutures geht vertieft auf die Abgrenzung ein und veranschaulicht die steuerliche Einordnung exemplarisch an einem Beispiel.

Parallel lassen sich diese Überlegungen auf das Margin Trading übertragen, weshalb Gewinne aus Margin Trades immer nur dann als Kapitaleinkünfte (§ 20 EStG) eingeordnet werden können, wenn keine Lieferung einer Kryptowährung, sondern ein Differenzausgleich vollzogen wird. Kommt es hingegen zu einer Lieferung einer Kryptowährung, liegt ein privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG vor.

4. Wo liegt der steuerliche Unterschied zwischen Kapitaleinkünften (§ 20 EStG) und Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften (§ 23 EStG)?

Kapitaleinkünfte werden pauschal mit einem Steuersatz von 25 Prozent besteuert (sog. Abgeltungssteuer). Die Steuerlast fällt daher in den meisten Fällen erheblich geringer aus als bei Einkünften nach § 23 EStG, die je nach Einkommensteuersatz mit bis zu 45% besteuert werden können.

Andererseits haben Kapitaleinkünfte den Nachteil, dass Werbungskosten (Ausgaben wie z.B. Steuerberatungskosten, Kosten für Trading-Seminare etc.) pauschal nur bis zu einer Höhe von 801 Euro im Jahr (bei verheirateten Paaren bis zu 1602 Euro) von den Einkünften abgezogen werden können. Höhere Ausgaben oder Aufwendungen können darüber hinaus nicht berücksichtigt werden. Auch findet die einjährige Haltefrist auf Kapitaleinkünfte keine Anwendung.

Liegen hingegen Einkünfte aus § 23 EStG vor, greift die Einjahreshaltefrist. Nach einem Jahr Haltedauer sind Gewinne dann steuerfrei. Werden Kryptowährungen allerdings innerhalb eines Jahres gewinnbringend veräußert, unterliegen die Gewinne der Besteuerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz in Höhe von 14 bis 45 Prozent.

5. Ich handele mit Futures und kaufe mir von den erzielten Gewinnen am Spotmarkt BTC. Anschließend halte ich die BTC ein Jahr lang. Muss ich die Gewinne aus den Future-Geschäften dennoch versteuern?

Ja, in diesem Fall unterliegen die Gewinne aus den Future Trades in aller Regel der Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass es sich auch tatsächlich um ein Termingeschäft i.S.v. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG handelt. Ob dies der Fall ist, muss im Zweifel anhand einer präzisen Einzelfallbetrachtung des jeweiligen Vorgangs bestimmt werden.

Das Steuertool von ACCOINTING kann diese Unsicherheiten beseitigen und eine entsprechende Einordnung vornehmen, indem es für sämtliche eingebundenen Börsen automatisch eine rechtssichere steuerliche Bewertung aller Future Trades vornimmt.

6. Ich habe durch meine Gewinne aus Future/Margin Trading BTC erhalten und diese ordnungsgemäß versteuert. Fallen auf den Verkauf der erhaltenen BTC Steuern an?

Resultieren die erhaltenen BTC aus einer Auszahlung in Folge eines Differenzausgleichs, ist anschließend eine steuerfreie Veräußerung möglich. Da die Gewinne in BTC bereits nach Maßgabe der Kapitalertragsteuer gem. § 20 EStG versteuert wurden, greift auch keine Jahresfrist.

Auch hier können sich Investoren auf das Steuertool von ACCOINTING verlassen, das automatisch eine rechtssichere steuerliche Einordnung vornimmt. Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass die Finanzbehörden diese steuergünstige Auffassung in der Regel ohne Weiteres akzeptieren.

7. Ich habe zum Jahresende noch eine offene Position im Zusammenhang mit Future/Margin Trades. Muss die offene Position versteuert werden oder fällt die Steuer erst im Jahr an, indem die Position geschlossen wird?

Solange die Position noch offen ist, findet keine Besteuerung statt. Erst ab dem Zeitpunkt, an dem Investoren tatsächlich Einnahmen zugeflossen sind, müssen diese besteuert werden (sog. Zufluss-/Abflussprinzip). Das kann beispielsweise eintreten, wenn aufgrund eines Margin Calls eine Position gezwungenermaßen geschlossen oder freiwillig der Entschluss zur Schließung eines Trades getroffen wurde.

8. Kann ich meine Tradinggebühren, die im Zusammenhang mit Future Trading entstanden sind, vom Gewinn abziehen?

Entstandene Gebühren sind als Werbungskosten einzuordnen. Da in aller Regel beim Handel mit Kryptofutures Kapitaleinkünfte vorliegen, sind die Werbungskosten bereits durch den Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro (bzw. 1602 Euro für verheiratete Paare) abgegolten. Die Gebühren können deshalb nicht gesondert vom Gewinn abgezogen werden, um die Steuerlast zu mindern.

9. Kann es passieren, dass ich durch eine hohe Anzahl an Trades oder aus anderen Gründen in die steuerliche Gewerblichkeit rutsche?

Die Schwelle zur Gewerblichkeit ist im Zusammenhang mit Future/Margin Trading an sehr hohe Voraussetzungen geknüpft. Sowohl eine besonders hohe Anzahl der Trades als auch ein hohes Handelsvolumen reichen dafür allein nicht aus. Es müssen besonders gewichtige Umstände hinzutreten. Als Faustregel lässt sich bestimmen, dass immer dann ein gewerbliches Ausmaß erreicht wird, wenn für die Tätigkeit eine besondere Lizenz nötig ist (etwa eine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz (KWG) oder der Gewerbeordnung (GewO)). Gleiche Erwägungen stellt das Bundesfinanzministerium (BMF) an, das in seinem Entwurf eines Schreibens zur Besteuerung von Kryptowährungen für eine gewerbliche Betätigung voraussetzt, dass sich der Steuerpflichtige unter anderem „wie ein Händler“ bzw. „bankentypisch“ verhält.

10. Wie genau lassen sich mit einer Trading-GmbH Steuern sparen?

De facto gestaltet sich der Handel mit Futures wegen der hohen steuerlichen Belastung enorm schwierig und ist für viele private Investoren kaum noch realisierbar.

Aufgrund der Gesetzesänderung vom 01.01.2021 können Verluste aus Termingeschäften (dies betrifft insb. den Handel mit Derivaten und Futures und teilweise das Margin Trading) nicht mehr uneingeschränkt mit den Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden. Konkret dürfen Verluste nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften und mi­­t Erträgen aus Stillhaltergeschäften (spezielle Art des Optionsgeschäfts) verrechnet werden. Außerdem können Verluste nur noch bis zu einer Höhe von 20.000 Euro pro Jahr verrechnet werden. Dies führt faktisch zu einer Mindestbesteuerung und hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Steuerlast vieler Kryptoinvestoren.

Der Ausweg ist die Gründung einer Trading-GmbH. Dadurch können Verluste aus Termingeschäften uneingeschränkt verrechnet werden – ein enormer steuerlicher Vorteil!

Da eine GmbH nur gewerbliche Einkünfte erzielen kann, greift die Neuregelung der beschränkten Verlustrechnung aus § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG nicht. Konsequenterweise können Gewinne und Verluste deshalb in vollem Umfang verrechnet werden. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, darüber hinaus verbleibende Verluste mit anderen Einkünften zu verrechnen. Voraussetzung dafür ist, dass die Trading-GmbH als Finanzunternehmen ausgestaltet ist.

Weiterführende Informationen zur Trading-GmbH finden Sie hier.

WINHELLER unterstützt Sie

Haben Sie weitere Fragen zur Besteuerung von Futures/Margin Trading? Benötigen Sie Hilfe bei Ihrer Steuererklärung oder der Gründung einer Trading-GmbH? Ergänzend zum Steuertool von ACCOINTING stehen Ihnen die erfahrenen Rechtsanwälte und Steuerberater von WINHELLER mit Rat und Tat zur Seite. Kommen Sie also gerne auf uns zu!


Rechtsanwalt Philipp Hornung hat sich auf die Bereiche kryptografische Währungen und Blockchaintechnologie spezialisiert. Er betreut gewerbliche und private Mandanten im Steuerrecht der Kryptowährungen. Neben seiner beratenden Tätigkeit vertritt er die steuerlichen Interessen von Mandanten in Einspruchsverfahren und vor Finanzgerichten. Die Kanzlei WINHELLER berät seit 2013 sowohl private Kryptoinvestoren als auch Unternehmen und hat sich damit als Pionier in der deutschen Kryptosteuerszene positioniert.

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