Crypto Tax Regulations Germany

Kryptosteuern à la Österreich: Kommt die Kapitalertragsteuer auch in Deutschland?  

Kryptoinvestoren in Österreich droht im kommenden Jahr eine höhere Besteuerung. So sieht ein Gesetzesentwurf in unserem Nachbarland vor, dass Gewinne aus Kryptowerten, wie Bitcoin, Ethereum & Co., ab dem 01.03.2022 nicht mehr wie bisher der regulären Einkommensteuer unterliegen, sondern genauso wie Aktien der Kapitalertragsteuer. Damit gilt ein pauschaler Steuersatz von 27,5 Prozent. Ob eine solche Regelung auch für Deutschland in naher Zukunft denkbar ist, welche steuerlichen Vor- bzw. Nachteile eine solche Gesetzesänderung für deutsche Kryptoinvestoren zur Folge hätte und ob die steuerlich günstige einjährige Haltefrist dadurch sogar rückwirkend entfallen könnte, erläutern wir in diesem Blogartikel. 

Bevorstehende Kryptosteuerreform in Österreich 

In Österreich wird der Handel mit Kryptowährungen zum jetzigen Zeitpunkt ähnlich wie in Deutschland steuerlich als privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG) behandelt. Halten Kryptoinvestoren ihre Krypto-Assets demnach länger als ein Jahr, sind diese steuerfrei. Kommt es hingegen zu einem Verkauf innerhalb der Haltefrist, wird der Gewinn anhand des persönlichen Einkommensteuersatzes besteuert.  

Der aktuelle österreichische Entwurf, der ab dem 01.03.2022 als Gesetz in Kraft treten soll, möchte davon abweichend Kryptowährungen wie klassische Aktien und Fonds behandeln, indem Gewinne künftig unabhängig von einer Haltefrist pauschal der Kapitalertragsteuer unterliegen. Daneben sollen Einkünfte aus Prozessen wie Lending oder Staking ebenfalls pauschal mit 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer besteuert werden. 

Auswirkungen einer solchen Gesetzesänderung in Deutschland 

Sollte das österreichische Beispiel auch in Deutschland Schule machen und Kryptowährungen auch hierzulande künftig der Kapitalertragsteuer unterworfen werden, wäre das vor allem für aktive Krypto-Trader günstig. Denn sie halten ihre Kryptowährungen regelmäßig kürzer als ein Jahr und würden in aller Regel von einem niedrigeren Steuersatz (25 Prozent Kapitalertragsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) profitieren, da der persönliche Einkommensteuersatz (bis zu 45 Prozent) nach jetziger Rechtslage meist bedeutend höher ausfällt.  

Wer hingegen Kryptowährungen wie bspw. Bitcoin (BTC) oder Ethereum (ETH) als längerfristiges Investment nutzen möchte (sog. „hodln“), könnte sich nicht mehr auf die einjährige Haltefrist und den damit verbundenen steuerfreien Gewinn berufen, da jeder Verkauf, egal wann er erfolgt, pauschal der Kapitalertragbesteuerung unterfiele. „Hodler“ wären also steuerlich betrachtet die Verlierer einer solchen Neuregelung. 

Gesetzesänderung auch für Deutschland realistisch? 

Der kürzlich veröffentlichte Koalitionsvertrag zwischen SPD, FDP und den Grünen enthält zwar ausdrücklich keine Aussagen zur Besteuerung von Kryptowerten, trotzdem lassen sich einige Ausblicke aus dem Koalitionspapier ableiten:  

Zum einen plant die Ampel-Koalition, den sog. Sparer-Pauschbetrag für Kapitaleinkünfte zu erhöhen. Die neue Bundesregierung möchte daher offenbar am bisherigen Steuersystem der Kapitaleinkünfte (insbesondere für Aktien) festhalten. Potenziell ist es daher denkbar, auch Kryptowährungen in Zukunft entsprechend zu behandeln. 

Daneben spricht sich die neue Bundesregierung dafür aus, die Geldwäsche stärker zu bekämpfen und in diesem Zusammenhang in Deutschland und auch auf EU-Ebene die Geldwäscheregulierung weiter auszubauen. Die damit einhergehende Verschärfung der Identifizierungspflichten hilft dem Staat, neben der Aufdeckung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, Steuerhinterziehungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen aufzudecken bzw. vorzubeugen, und ermöglicht zudem eine möglichst lückenlose Besteuerung aller Kryptovorgänge.  

Nicht zuletzt würde die Einführung einer Kapitalertragbesteuerung für Kryptogewinne die Besteuerungssituation deutlich vereinfachen. Nach jetziger Rechtslage ist die steuerrechtliche Einordnung insbesondere bei neuartigen Erscheinungen wie zum Beispiel im Bereich von Decentralized Finance (DeFi) schwierig und geht regelmäßig mit vielen Unklarheiten einher, da die Besteuerung je nach Einzelfall entweder als privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG), als Einkünfte aus sonstigen Leistungen (§ 22 Nr. 3 EStG) oder aber als Kapitaleinkünfte gemäß § 20 EStG ausgestaltet sein kann. Würden alle denkbaren Kryptovorgänge pauschal als Kapitaleinkünfte eingeordnet, würde dies die Arbeit für die Finanzämter, aber auch für jeden einzelnen Kryptoinvestor in der Praxis erheblich vereinfachen. Auch unter diesem Gesichtspunkt ist demnach eine Neuregelung naheliegend.  

Ist eine Gesetzesänderung rechtlich möglich? 

Abseits von politischen Erwägungen stellt sich die Frage, ob eine solche Gesetzesänderung juristisch möglich ist und vor allem, ob eine solche Änderung auch rückwirkend die steuergünstige Haltefrist von einem Jahr von bereits erworbenen Kryptowährungen entfallen lassen würde.  

Grundsätzlich ist eine Rückwirkung immer dann zulässig, wenn der Gesetzgeber Rechtsfolgen an einen Sachverhalt knüpft, der zwar in der Vergangenheit begonnen hat, aber noch nicht abgeschlossen ist (sog. unechte Rückwirkung). Im Steuerrecht bedeutet das, dass gesetzgeberische Änderungen mit Rückwirkung dann möglich sind, wenn der Veranlagungszeitraum (das jeweilige Kalenderjahr) noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Nicht zulässig wäre hingegen eine rückwirkende Änderung, wenn das Kalenderjahr, in dem die Haltefrist abläuft, bereits abgeschlossen ist.  

Es ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber sich mindestens an diese Regelungen halten wird, sollte er Kryptowährungen künftig der Kapitalertragsteuer unterwerfen wollen. Investoren, die Kryptowährungen schon länger als ein Jahr halten, werden daher aller Voraussicht nach ihre „Altgewinne“ auch unter einem möglichen neuen Besteuerungsregime noch steuerfrei vereinnahmen können.  

Unsere persönliche Einschätzung 

Erfahrungsgemäß kann eine Änderung der Steuergesetzgebung schnell vonstattengehen. Auch erscheint eine Neuregelung nach österreichischem Leitbild unter einigen Aspekten sinnvoll. Allerdings ist unserer Ansicht nach zumindest in naher Zukunft (noch) nicht mit einer Gesetzesänderung zu rechnen. Großer politischer Druck für eine Änderung der aktuellen Lage besteht unserer Wahrnehmung nach jedenfalls nicht. Zudem setzt eine Kapitalertragsteuer voraus, dass die Börsen, auf denen gehandelt wird, „mitspielen“. Anders als im Aktienhandel, der von deutschen Investoren maßgeblich über deutsche Börsen und Banken abgewickelt wird, traden viele Kryptoinvestoren über ausländische Kryptobörsen. Das erschwert den automatischen Kapitalertragsteuerabzug enorm. 

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