Staking und Steuern in Deutschland – Gewinne, Haltefristen, BMF-Schreiben

Wie funktioniert Staking?

Neben dem klassischen „Proof of Work“ (PoW), das beispielsweise Bitcoin (BTC) nutzt, gibt es noch viele weitere Verfahren, mit denen ein Konsens darüber erzielt werden kann, welcher Teilnehmer des Netzwerks berechtigt ist, Transaktionen zu verifizieren und diese in sog. Blöcken festzuschreiben. Schon seit 2013 existieren Kryptowährungen, die „Proof of Stake“ (PoS) verwenden. Dabei hat PoS gegenüber PoW den Vorteil, dass der Energieverbrauch geringer ist, weil die Notwendigkeit entfällt, den Aufwand zur Berechnung eines gültigen Hashs künstlich schwierig zu gestalten. Das erreicht PoS, indem nicht jeder an der Konsensfindung teilnehmen darf, sondern nur Personen, die den Nachweis eines Einsatzes (Proof of Stake) dadurch erbracht haben, dass sie eine bestimmte Anzahl an Kryptowährungen als Sicherheit hinterlegt haben. In technischer Hinsicht wird die auch als „collateral“ bezeichnete Sicherheitsleistung dadurch der Verfügungsmacht des Teilnehmers entzogen, indem sie mittels eines automatisierten Netzwerkprotokolls, einem sog. Smart Contract, verknüpft wird. Der hinterlegte Einsatz steht bei regelwidrigem Verhalten auf dem Spiel, beispielsweise dann, wenn der Teilnehmer versucht, die Blockchain unrechtmäßig abzuändern. Demgegenüber wird die Teilnahme an diesem auch als Staking bezeichneten Vorgang dadurch belohnt, dass derjenige Teilnehmer, der ausgewählt wurde, die Transaktionen zu verifizieren und in Blöcken festzuschreiben, als Gegenleistung eine im Vorfeld definierte Menge an Kryptowährungen des Netzwerks erhält (sog. Block Reward).

Wie erfolgt die Besteuerung von Staking Rewards?

Problematisch ist die steuerliche Beurteilung bezüglich der Block Rewards. Beim Staking handelt es sich um eine mittlerweile nicht mehr gänzlich neue Erscheinung. Trotzdem ist die Gesetzeslage hierzu immer noch nicht abschließend geklärt. Es lassen sich jedoch folgende Erwägungen anstellen:

  1. Einordnung der Prämien aus Staking als gewerbliche Einkünfte

Die Voraussetzung für die Annahme gewerblicher Einkünfte ist der Begriff der Gewerblichkeit aus § 15 Abs. 2 EStG. Liegen gewerbliche Einkünfte vor, unterliegen diese zusätzlich noch der Gewerbesteuer. An die Gewerblichkeit sind nach deutschem Recht allerdings hohe Anforderungen gestellt. Insbesondere muss dafür die Selbstständigkeit gegeben sein. Dies dürfte beim Staking regelmäßig zu verneinen sein. Derjenige, der seine Kryptowerte dem Netzwerk zur Verfügung stellt, hat keine Verfügungsgewalt mehr über seine Coins. Die Auswahl der zur Verifizierung berufenen Teilnehmer und damit auch, wer überhaupt Einkünfte erzielen darf, erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Der Teilnehmer hat damit keinerlei Kontrolle über die Einkünfte aus dem Staking. Dies spricht gegen eine selbstständige Tätigkeit und damit auch gegen eine Einordnung als gewerbliche Einkünfte. Nichtsdestotrotz kam es in der Vergangenheit hin und wieder vor, dass die Finanzverwaltung entgegen diesen Argumenten im Einzelfall eine gewerbliche Einordnung vorgenommen hat. Auch das Bundesministerium der Finanzen (BMF) vertritt in einem kürzlich veröffentlichten Entwurf für ein BMF-Schreiben diese Ansicht; eine finale Entscheidung steht allerdings noch aus.

  1. Einordnung der Staking-Prämien als Einkünfte aus sonstigen Leistungen

Vielmehr überzeugt es, die Erträge des Stakings als Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß § 22 Nr. 3 EStG mit dem Zuflusswert zu besteuern. Diese Norm ist sehr weit gefasst, sodass grundsätzlich jedes Tun, Dulden oder Unterlassen steuerpflichtig ist, sofern es eine Gegenleistung auslöst. Darunter fällt auch die Teilnahme am Staking. Der Teilnehmer stellt dem Netzwerk seine Kryptowerte zur Verfügung, um der Netzwerksicherheit zu dienen, und bekommt dafür unter Umständen eine Prämie ausgezahlt. Einkünfte aus Staking sind aber nur dann nach § 22 Nr. 3 EStG steuerpflichtig, wenn die Erträge die Freigrenze von 256 Euro überschreiten. Darüber hinaus werden sie nach dem persönlichen Steuersatz besteuert. 

Sind Gewinne aus dem Verkauf von Staking Rewards steuerpflichtig?

Die Besteuerung des Gewinns durch den Verkauf der durch das Staking erhaltenen Kryptowerte ist umstritten. Es sprechen gute Gründe dafür, mangels entgeltlichen Erwerbsvorgangs von einer Steuerfreiheit auszugehen. Demgegenüber vertritt das BMF in seinem Entwurf für ein BMF-Schreiben vom 03.06.2021, dass der Verkauf von Staking Rewards als privates Veräußerungsgeschäft im Sinne des § 23 EStG anzusehen ist. Dann gilt, dass die Veräußerung steuerpflichtig ist, wenn die Rewards innerhalb eines Jahres ab dem Zufluss veräußert werden. Ist die Haltefrist abgelaufen, sind die erzielten Einkünfte steuerfrei. 

Verlängert sich die Haltefrist für Kryptowährungen bei Staking auf 10 Jahre? 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht keine Gewissheit darüber, ob die für das Staking genutzten Kryptowährungen einer Haltefristverlängerung von 10 Jahren unterliegen. Dies wird regelmäßig diskutiert, und es bestehen unterschiedliche Rechtsauffassungen.

Die Haltefristverlängerung ist in § 23 Abs. 1 Nr. 2 Satz 4 EStG geregelt. Diese greift laut dem Wortlaut dann, wenn ein Wirtschaftsgut zuvor als Einkunftsquelle genutzt wurde und dadurch Einkünfte erzielt wurden. 

Verfolgt man streng eine Auslegung anhand des Wortlauts, liegt die Vermutung nahe, die durch das Staking erhaltenen Coins von der Vorschrift der Haltefristverlängerung zu erfassen. 

Diese Auffassung vertritt aller Voraussicht nach auch das BMF. Das geht aus einem vor kurzem veröffentlichten Entwurf eines sog. BMF-Schreibens zur Besteuerung von Kryptowährungen hervor, in dem eine Haltefristverlängerung bejaht wird. Der Entwurf ist allerdings noch nicht final. Sollte das BMF jedoch bei dieser Ansicht bleiben, sind in Zukunft alle Finanzämter in Deutschland an diese Sichtweise gebunden. Es bleibt jedoch ausdrücklich hervorzuheben, dass ein BMF-Schreiben keinerlei Bindungswirkung für die Finanzgerichte entfaltet. Ob ein Sachverhalt letztlich besteuert wird oder nicht, obliegt allein der Entscheidung der Gerichte.

Das spricht gegen eine Haltefristverlängerung bei Staking

Nach wie vor sprechen gute Gründe dafür, eine Verlängerung der Haltefrist auf zehn Jahre beim Staking abzulehnen. Gegen die Ansicht aus dem Entwurf des BMF-Schreibens spricht zum einen der Sinn und Zweck des § 23 Abs.1 Nr. 2 Satz 4 EStG, der speziell für Missbrauchsfälle der Containerleasingmodelle geschaffen wurde. Zudem ist Voraussetzung für die Nutzung der Kryptowährungen als Einkunftsquelle, dass diese eine eigenständige Erwerbsgrundlage bilden. Es müssen demzufolge Einkünfte aus dem Wirtschaftsgut selbst vorliegen. Im Rahmen des Stakings werden bei genauer Betrachtung aber nicht Einkünfte aus den Kryptowährungen erzielt, sondern nur aufgrund der Aufgabe der Verfügungsmacht.

In diesem Zusammenhang ist unter Berücksichtigung von Sinn und Zweck der Norm ebenfalls eine „rückwirkende“ Haltefristverlängerung abzulehnen. Sollte die einjährige Haltefrist bereits abgelaufen sein, sprechen die besseren Argumente dafür, hier ein „Wiederaufleben“ der Haltefrist zu verneinen.

Steuernachzahlungen durch rückwirkende Haltefristverlängerung

Sollte das BMF jedoch an seiner Ansicht festhalten, drohen für Kryptoinvestoren erhebliche Steuernachzahlungen im Zusammenhang mit Staking. Um diese Nachteile zu vermeiden, ist in den meisten Fällen ein Einspruchs- und Klageverfahren unvermeidlich. Eine Beratung durch einen fachkundigen Steuerberater oder Rechtsanwalt im Bereich Kryptosteuerrecht ist demnach sinnvoll. Unsere Experten stehen Ihnen gerne zur Seite! 

Ebenfalls hilft Ihnen das Steuer-Tool von ACCOINTING bei der Erstellung eines Steuerreports im Zusammenhang mit Staking für Ihre Steuererklärung.


Rechtsanwalt Philipp Hornung hat sich auf die Bereiche kryptografische Währungen und Blockchaintechnologie spezialisiert. Er betreut gewerbliche und private Mandanten im Steuerrecht der Kryptowährungen. Neben seiner beratenden Tätigkeit vertritt er die steuerlichen Interessen von Mandanten in Einspruchsverfahren und vor Finanzgerichten. Die Kanzlei WINHELLER berät seit 2013 sowohl private Kryptoinvestoren als auch Unternehmen und hat sich damit als Pionier in der deutschen Kryptosteuerszene positioniert.

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