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Besteuerung von Kryptoderivaten und Kryptofutures

Mit Kryptoderivaten und -futures lassen sich innerhalb kürzester Zeit hohe Gewinne erzielen. Daneben hat sich der Handel mit Kryptoderivaten und -futures als Strategie zur Absicherung von Spot-Trading, d.h. dem An- und Verkauf von Kryptowährungen, etabliert. Auf Plattformen wie BitMEX, Bybit, Kraken, Binance oder eToro können Investoren aus zahlreichen Angeboten zu verschiedensten Konditionen wählen. Steuerlich kommt es dabei nicht auf die von der Kryptobörse gewählte namentliche Bezeichnung an, sondern welche Art von Geschäft sich dahinter verbirgt, sodass eine Einzelfallbetrachtung oftmals sinnvoll ist. Weil sich die Verlustverrechnung seit dem Jahr 2021 geändert hat, ist mittlerweile Vorsicht geboten!

Was sind Kryptoderivate und -futures?

Auch wenn Derivate und Futures oft im selben Satz genannt werden, sind Futures eigentlich nur eine spezielle Form eines Derivates. Derivate stehen dabei als Oberbegriff für eine Vielzahl an verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten. Zwar gibt es keine abschließende Definition für Derivate, im Grunde handelt es sich aber immer um einen Vertrag (Kontrakt), bei dem mindestens ein Verkäufer mindesten einem Käufer das Recht einräumt, ein bestimmtes Wirtschaftsgut zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beziehen. Das Bezugsrecht kann dabei sowohl bedingt als auch unbedingt ausgestaltet sein, d.h. dem Käufer ein Wahlrecht einräumen, das Wirtschaftsgut zu beziehen, oder ihn zur Abnahme verpflichten. Im letzteren Fall liegt ein Futurekontrakt vor. Neben dem zeitlichen Auseinanderfallen von Vertragsschluss und Vertragserfüllung ist weiteres Wesensmerkmal eines Derivats, dass der Preis des Derivats von einem Basiswert abhängt. Oder anders gesagt: Der Basiswert ist ausschlaggebend für den Preis des Derivats. Hat ein Käufer beispielsweise das Recht erworben, einen Bitcoin (BTC) zum Preis von 35.000 Euro zu beziehen, d.h. ein BTC-Derivat ohne Abnahmeverpflichtung erworben, dann steigt der Wert des Derivats, wenn der BTC-Preis steigt.

Wie erfolgt die Besteuerung von Gewinnen und Verlusten aus dem Handel von Kryptoderivaten und -futures?

Egal aus welchen Gründen sich ein Kryptoinvestor für den Handel mit Kryptoderivaten oder -futures entscheidet, spätestens am Ende des Jahres stellt sich die Frage, wie die erzielten Gewinne und möglicherweise auch Verluste zu versteuern sind.

Abhängig von der konkreten Ausgestaltung unterliegen Gewinne und Verluste aus Kryptoderivaten und -futures regelmäßig der Kapitalertragsteuer. Der Vorteil: Anstelle des persönlichen Einkommensteuersatzes, der aktuell bis zu 45 Prozent betragen kann, fallen pauschal nur 25 Prozent Kapitalertragsteuer an. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass es sich bei den Kryptoderivaten und -futures um Termingeschäfte i.S.v. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG handelt. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob das Geschäft wie beim Spot-Trading auf die Lieferung einer Kryptowährung gerichtet ist oder die Lieferung der Kryptowährung lediglich den Differenzausgleich darstellt. Nur im letztgenannten Fall unterliegen die Gewinne der Kapitalertragsteuer.

Zur Veranschaulichung ein vereinfachtes Beispiel:

Person A schließt mit Person B einen Vertrag, der A das Recht einräumt, in Zukunft einen BTC von B zu erhalten, der momentan 35.000 Euro wert ist. Wird der Kontrakt fällig und A erhält von B den BTC, liegt ein Fall von § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG vor. Das heißt für B, dass er die Veräußerung des BTC mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern muss. Für A bedeutet das hingegen, dass eine Anschaffung vorliegt und damit die Jahresfrist gilt.

Treffen A und B hingegen im oben geschilderten Fall die Vereinbarung, dass A am Ende des Vertrages die Wahl hat, ob er einen BTC bekommt oder alternativ den Gegenwert der Differenz zum aktuellen Kurs, dann liegt ein Termingeschäft gem. § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 EStG vor. Das gilt auch dann, wenn die Differenz in BTC gezahlt wird. Steigt der Kurs von BTC am Ende des Kontrakts auf 37.000 Euro an, erhält A den Gegenwert der Differenz (37.000 Euro – 35.000 Euro = 2.000 Euro) in BTC. Der Gewinn muss von A pauschal mit 25 Prozent Kapitalertragsteuer versteuert werden, die Jahresfrist aus § 23 EStG greift hingegen nicht. Gegebenenfalls liegt bei B ein privates Veräußerungsgeschäft i.S.v. § 23 EStG vor.

Angesichts dieser im Einzelfall durchaus komplizierten Abgrenzung, können sich Kryptoinvestoren bei Zweifeln mithilfe des Steuertools von ACCOINTING unkompliziert absichern. Dieses nimmt nämlich bei allen eingebunden Börsen automatisch eine rechtssichere Bewertung vor, wenn es sich bei dem Trade um Kryptoderivate und -futures handelt.

Steuerliche Nachteile aufgrund eingeschränkter Verlustverrechnung

Aufgrund einer Gesetzesänderung gilt seit dem 01.01.2021, dass Verluste aus dem Handel mit Kryptoderivaten und -futures nur noch eingeschränkt verrechnet werden dürfen. Verluste dürfen zum einen nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften oder Erträgen aus Stillhaltergeschäften (eine bestimmte Art des Optionsgeschäfts) verrechnet werden. Zum anderen ist die Verlustverrechnung auf 20.000 Euro pro Jahr begrenzt. Faktisch führt das zu einer Mindestbesteuerung: Verlustverrechnung Kryptoderivate Entsprechend besteht ein erhebliches steuerliches Risiko, das de facto dazu führt, dass der Handel mit Kryptoderivaten und -futures für Privatinvestoren fast gar nicht mehr durchführbar ist.

Trading-GmbH als Lösung

Die Gründung einer Trading-GmbH schafft Abhilfe! Dadurch bleibt es möglich, Verluste aus Derivaten und Termingeschäften uneingeschränkt zu verrechnen – ein erheblicher steuerlicher Vorteil! Da eine GmbH immer gewerbliche Einkünfte erzielt, greift die Beschränkung der Verlustverrechnung aus § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG nicht, sodass Gewinne und Verluste in voller Höhe verrechnet werden können. Ist darüber hinaus auch gewollt, dass etwaig verbleibende Verluste mit anderen Einkünften verrechnet werden, besteht die Möglichkeit, auch das zu bewerkstelligen.

Nötig hierfür ist, dass die Trading-GmbH als Finanzunternehmen ausgerichtet ist. Gleichzeitig ist damit gewährleistet, dass sie nicht unter der Aufsicht der BaFin steht. Da die Schwelle zu erlaubnispflichten Tätigkeiten allerdings schnell erreicht sein kann, ist zum einen eine sorgfältige Prüfung unerlässlich. Daneben empfiehlt es sich, gemeinsam mit der BaFin, die Einordnung als Finanzunternehmen abzustimmen und einen „No Action Letter“ einzufordern. In diesem bestätigt die BaFin, dass keine Aufsichtspflicht besteht.

Um sich ebenfalls gegenüber der Finanzbehörde abzusichern, ist es sinnvoll, eine verbindliche Auskunft einzuholen. Mit dieser bestätigt das Finanzamt, dass eine beschränkte Verlustverrechnung für die Trading-GmbH nicht greift. Unsere erfahrenen Anwälte und Steuerberater unterstützen Sie gerne bei der Gründung Ihrer Trading-GmbH.


Rechtsanwalt Philipp Hornung hat sich auf die Bereiche kryptografische Währungen und Blockchaintechnologie spezialisiert. Er betreut gewerbliche und private Mandanten im Steuerrecht der Kryptowährungen. Neben seiner beratenden Tätigkeit vertritt er die steuerlichen Interessen von Mandanten in Einspruchsverfahren und vor Finanzgerichten. Die Kanzlei WINHELLER berät seit 2013 sowohl private Kryptoinvestoren als auch Unternehmen und hat sich damit als Pionier in der deutschen Kryptosteuerszene positioniert.

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