Was steckt hinter Liquidity Mining (DeFi) und wie erfolgt die Besteuerung?

Bevor man sich mit dem Begriff des Liquidity Minings auseinandersetzt, muss man zunächst verstehen, was es mit den dezentralen Finanzmärkten (DeFi) auf sich hat.

DeFi als Zukunft der Finanzwirtschaft

DeFi sind sogenannte dezentralisierte Finanzmärkte (DeFi), die in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum verzeichnen konnten. DeFi bezeichnet dabei digitale Finanzdienstleistungen, welche sich die Vorteile einer dezentralen Blockchaintechnologie zunutze machen. Im Vergleich zu herkömmlichen Finanzmärkten bedarf es hierbei keiner zentralen Institution mehr, welche die Transaktionen oder Dienstleistungen koordiniert und überwacht. Vielmehr übernehmen diese Funktionen sogenannte Smart Contracts. Hierbei handelt es sich um Computercodes, die bestimmte Regeln automatisch ausführen und anwenden. Durch DeFi erhofft man sich, über die Nachteile eines zentralen Akteurs hinwegzukommen und damit unter anderem Monopolstellungen, bürokratischen Aufwand und auch Fehlern entgegenzuwirken.

Wie lässt sich mit Liquidity Mining Geld verdienen?

Ein lukratives Geschäftsfeld für Marktteilnehmer von dezentralisierten Finanzmärkten ist das Liquidity Mining, das aufgrund seiner Popularität entscheidend für das Wachstum der DeFi verantwortlich ist. Doch wie funktioniert das Liquidity Mining und wie kann man damit Geld verdienen?

Marktteilnehmer stellen ihre Kryptowährungen einer dezentralen Börse (DEX) zur Verfügung. Hierbei werden Handelspaare bestimmter Kryptowährungen (z.B. Ethereum und Dai (ETH/DAI) oder Bitcoin und DeFiChain (BTC/DFI) in einen Pool investiert. DeFi-Plattformen, wie beispielsweise Uniswap, Cake oder Synthetix, stellen dem Nutzer für diese Leistung sogenannte Belohnungen in Aussicht. Diese Belohnungen setzten sich in der Regel aus einem Teil der Gebühren zusammen, die auf dem Marktplatz durch Transaktionen erhoben wurden. Zum Teil werden auch Governance Tokens an die Teilnehmer ausgeben. Diese Tokens verkörpern Mitwirkungs- und Gestaltungsrechte im Bezug auf die jeweilige DeFi-Plattform (z.B. Abstimmungsrechte über die zukünftige Entwicklung der Plattform).

Steuerliche Beurteilung von Liquidity Mining

Aufgrund des Mechanismus des Liquidity Minings sind für die steuerliche Beurteilung drei verschiedene Zeitpunkte entscheidend:

1. Hingabe der Tokens in den Pool

Zunächst kann die Zurverfügungstellung der Handelspaare in den Pool steuerliche Konsequenzen haben. Eine solche Hingabe stellt eine Veräußerung und damit ein privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG dar.

Erfolgt die Hingabe der Tokens in den Pool innerhalb der einjährigen Haltefrist, sind die Einkünfte nach Maßgabe der Kapitalertragsteuer steuerpflichtig. Ist die Haltefrist dagegen schon verstrichen, sind die erzielten Gewinne steuerfrei.

2. Teilnahme am Pool und Gewinnausschüttung

Bezogen auf die steuerliche Einordnung für die Gewinnausschüttungen während der Teilnahme am Pool werden unterschiedliche Rechtsauffassungen vertreten. Dies hängt damit zusammen, dass es sich bei dem Liquidity Mining um einen neuartigen Trend handelt und sich die Finanzgerichte mit der steuerrechtlichen Einordnung noch nicht befasst haben. Ebenfalls steht eine Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums (BMF) zu dieser Thematik zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch aus. Einigkeit besteht allerdings darin, dass eine Einordnung als Kapitaleinkünfte für die Belohnungen in Betracht kommen muss. Die Einkünfte unterliegen deshalb auch hier der Kapitalertragsteuer.

3. Wiederentnahme der Handelspaare aus dem Pool

Beim Austritt der Handelspaare aus dem Pool liegt eine Wiederanschaffung der Kryptowährungen vor. Für die wiedererworbenen Kryptowährungen beginnt damit die Haltefrist bei Null. Gewinne unterliegen auch hier der Kapitalertragsteuer.

Unser Tipp: Kryptovorgänge immer genau dokumentieren

In jedem Fall ist eine genaue und nachvollziehbare Dokumentation aller Vorgänge im Kryptobereich notwendig. Sollten Sie weitere Fragen zu der Besteuerung des Liquidity Minings haben, kann Ihnen ein Steuerberater oder Rechtsanwalt im Bereich Kryptosteuerrecht weiterhelfen. Eine frühzeitige Beratung kann sich lohnen, um sich Kosten und Ärger mit den Finanzbehörden zu ersparen.

Ebenfalls bietet das Steuertool von ACCOINTING entsprechende Unterstützung bei der Erstellung von Steuererklärungen im Bereich von Kryptowährungen.


Rechtsanwalt Philipp Hornung hat sich auf die Bereiche kryptografische Währungen und Blockchaintechnologie spezialisiert. Er betreut gewerbliche und private Mandanten im Steuerrecht der Kryptowährungen. Neben seiner beratenden Tätigkeit vertritt er die steuerlichen Interessen von Mandanten in Einspruchsverfahren und vor Finanzgerichten. Die Kanzlei WINHELLER berät seit 2013 sowohl private Kryptoinvestoren als auch Unternehmen und hat sich damit als Pionier in der deutschen Kryptosteuerszene positioniert.

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